Vom Klavierton

Beim Anschlag einer Klaviertaste hören wir einen "Ton", der durch Schwingungen der vom Hammer angeschlagenen Saite entsteht. Im allgemeinen Sprachgebrauch nennen wir alles das, was Musikinstrumente produzieren, Töne. Genau genommen kommt aber der einzelne reine Ton (Sinuston) in der Natur nicht vor. Er kann mit Apparaten erzeugt werden. Der eigentümlich hohl und farblos klingende Ton der Stimmgabel kommt dem reinen Sinuston sehr nahe. Der Klavierklang ist dagegen farbig und lebendig. Wir stellen fest, dass beim Spielen eines Klaviertones nicht allein dieser einzelne Ton (Grundton), der die Höhe angibt, sondern darüber noch andere Obertöne (Teiltöne höherer Ordnung) mitklingen, zwar nicht so deutlich wie der Grundton, aber dennoch wahrnehmbar. Diese Töne färben den Grundton ein und sind für den Klangcharakter maßgebend.

Ton = reine Sinusschwingung.

Klang = ein Gemisch von Sinustönen, die in einem harmonischen Verhältnis zueinander stehen. Der Klavierton ist ein solcher "Klang". Wie kommen nun diese Obertöne zustande? Wenn eine Saite schwingt, dann tut sie dies in Ihrer gesamten Länge am deutlichsten. Dies ist der Grundton (erster Teilton), der die Tonhöhe festlegt. Gleichzeitig schwingt die Saite in 1/2, 1/3, 1/4 usw. Ihrer Länge, wodurch Teiltöne höherer Ordnung entstehen, die mit dem Grundton verschmelzen.

Beispiel: eine Saite ist 120 mm lang. Das Schwingen der ganzen Länge produziert den Ton C. Gleichzeitig schwingen aber auch zwei gleich lange Abschnitte dieser gesamten Länge, d.h, 1,20 mm durch 2 = 60 mm. Diese beiden Abschnitte erzeugen den Ton der eine Oktav über dem Grundton liegt. Gleichzeitig schwingen aber auch drei gleich lange Abschnitte der gesamten Länge, d.h. 120 mm durch 3 = 40 mm. Diese Abschnitte produzieren die Quinte usw,

Es gelten folgende Gesetzmäßigkeiten:

  1. kürzere Saite = höherer Ton
  2. dickere Saite = tieferer Ton
  3. höhere Saitenspannung = höherer Ton

Der Teiltonaufbau ist bei jedem Klavierklang im Prinzip gleich.

Teiltonaufbau für den Ton C:

Teilton
Frequenz Hz
Intervall zum 1. Teilton
bzw. zu den Oktaven
Ton
1.
65
Prim
C
2.
130
Oktave
c
3.
195
Quinte
g
4.
260
2. Oktave
c1
5.
325
Terz
e1
6.
390
Quinte
g1
7.
455
ca. kl. Septime
b1
8.
520
3. Oktave
c2
9.
585
gr. Sekunde
d2
10.
650
Terz
e2
11.
715
ca. überm. Quarte
fis2
12.
780
Quinte
g2
13.
845
ca. überm. Quinte
gis2
14.
910
ca. kl. Septime
b2
15.
975
große Septime
h2
16.
1040
4. Oktave
c3

Verhältniszahlen aller in der Oktave enthaltenen Intervalle:

Prim
1 : 1
kleine Sekunde
16 : 15
große Sekunde
9 : 8
kleine Terz
6 : 5
große Terz
5 : 4
Quarte
4 : 3
Tritonus
45 : 32
Quinte
3 : 2
kleine Sexte
8 : 5
große Sexte
5 : 3
kleine Septime
16 : 9
große Septime
15 : 8
Oktave
2 : 1

Klingen zwei eng benachbarte Töne gleichzeitig, so entsteht eine Schwebung (An- und Abschwellen des Tones). Eine Schwebung kann sich auch einstellen, wenn zwei nicht benachbarte Töne zusammen klingen; sie entsteht dann dadurch, dass beide Töne gemeinsame Teiltöne haben.

Die mathematische Grundlage für die gleichschwebende Temperierung ist die zwölfte Wurzel aus 2 = 1,059463094.

© PIANO-FOERSTER